Internationales Orgelfestival Anton Bruckner

Internationales Orgelfestival Anton Bruckner

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Internationales Orgelfestival Anton Bruckner

St. Matthias richtet drei der zehn Konzerte der Anton-Bruckner-Orgelfestspiele 2026 aus – erstmals erklingt der komplette Sinfonien-Zyklus in Berlin

Vom 4. September bis zum 11. Oktober 2026 erklingen in drei Berliner Kirchen sämtliche elf Sinfonien Anton Bruckners – nicht im Orchestersaal, sondern auf der Orgel. Die Katholische Pfarrei St. Matthias Schöneberg ist einer von vier Trägerorten der Anton-Bruckner-Orgelfestspiele und richtet drei der elf Konzerte aus: am 5. September, am 12. September und am 10. Oktober, jeweils samstags um 19:30 Uhr in der Pfarrkirche am Winterfeldtplatz. Der Eintritt ist frei; am Ausgang wird um eine Spende gebeten.

Anlass ist das 130. Todesjahr des Komponisten. Der Zyklus beginnt am 4. September, Bruckners Geburtstag im Jahr 1824, und endet am 11. Oktober, seinem Todestag exakt 130 Jahre zuvor. An sechs aufeinanderfolgenden Wochenenden treten neun international renommierte Konzertorganisten an; hinzu kommt ein Konzert in der St.-Hedwigs-Kathedrale am 23. September, das elf „Bruckner-Fenster“ zeitgenössischer Komponisten öffnet und unter der Schirmherrschaft von Christian Thielemann steht.

Ein Instrument statt hundert Musiker. Grundlage des Zyklus sind die Orgelfassungen des Stuttgarter Organisten und Komponisten Eberhard Klotz. Er hat sein Leben nach eigenem Bekunden schon als Zwölfjähriger – nach einem Konzert mit Bruckners Siebter in Ludwigsburg – dem Werk Bruckners gewidmet und das Editionsprojekt aller elf Sinfonien für Orgel solo im Herbst 2023 beim Merseburger Verlag abgeschlossen. Die Festspielleitung versteht die Transkription ausdrücklich nicht als Ersatz des Originals, sondern als eigenständige, historisch gewachsene Kunstform: Manches Detail, das im großen Orchesterklang untergeht, tritt auf der Orgel deutlicher hervor; auf anderes muss verzichtet werden. Und es bleibt die schlichte Frage, die jeden dieser Abende trägt: Wie gelingt es einem einzigen Spieler, ein Werk darzustellen, das sonst bis zu hundert Musiker verlangt?

Dass Berlin dafür ein guter Ort ist, hat einen bauhistorischen Grund. Die Seifert-Orgel von St. Matthias, 1958 mit 69 Registern und 5.097 Pfeifen von der Kevelaerer Firma Romanus Seifert & Sohn errichtet, 1972 bis 1974 erweitert und seither mehrfach überholt – zuletzt 2018/19 durch die Berliner Werkstatt Karl Schuke –, verfügt heute über 77 klingende Register, acht Transmissionen und eine Extension. Sie ist die größte Orgel in einer katholischen Kirche Berlins. Ihre Anlage über mehrere Emporen und den Altarraum sowie Register wie die weithin sichtbare Spanische Trompete machen sie für orchestrale Literatur besonders geeignet.

Die drei Abende am Winterfeldtplatz decken das reife und das späte Schaffen Bruckners ab. Christian von Blohn, seit 1993 Dekanatskantor des Bistums Speyer und Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik Saar, eröffnet am 5. September mit der Siebten – jener Sinfonie, deren Uraufführung 1884 in Leipzig Bruckner endlich den Durchbruch als Sinfoniker brachte und in deren Adagio er nach der Nachricht vom Tod Richard Wagners einen Klagegesang einfügte. Am 12. September folgt Hansjörg Albrecht, von 2005 bis 2023 Nachfolger Karl Richters an der Spitze des Münchener Bach-Chors, heute künstlerischer Leiter des CPE-Bach-Chores Hamburg, mit der Achten: Bruckners letztem vollendeten sinfonischen Werk, über neunzig Minuten lang und Kaiser Franz Joseph I. gewidmet. Den Abschluss bildet am 10. Oktober Bernadetta Šuňavská aus Bratislava mit der Vierten, der „Romantischen“ in der Fassung von 1888; die Organistin ist selbst als Bearbeiterin großer Orchesterwerke hervorgetreten.

Ökumenisch und überpfarrlich getragen. Neben St. Matthias beteiligen sich die Evangelische Auenkirche Berlin-Wilmersdorf und die katholische St.-Marien-Kirche in Wilmersdorf; die drei Gemeinden stellen ihre Kirchenräume für Proben und Konzerte zur Verfügung und tragen Finanzierung, Organisation und Bewerbung mit. Dazu kommt ein Konzert in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Für die Kirchenmusik in St. Matthias verantwortlich ist Kirchenmusikdirektor Thomas Seyda. Getragen wird das Projekt zudem vom Merseburger Musikverlag (Kassel), vom Eichelberg Musikverlag (Stuttgart) und vom Kulturverein Ost e. V. (Stuttgart). Es sind erst die dritten Festspiele dieser Art überhaupt – nach Dudelange und dem Speyerer Dom im Jahr 2024.

Die Konzerte in St. Matthias

Pfarrkirche St. Matthias, Winterfeldtplatz, 10781 Berlin-Schöneberg

  • Sa, 5.9.2026, 19:30 Uhr: Sinfonie Nr. 7 E-Dur, Christian von Blohn (Sankt Ingbert)

  • Sa, 12.9.2026, 19:30 Uhr, Sinfonie Nr. 8 c-Moll (Fassung 1890), Hansjörg Albrecht (Hamburg)

  • Sa, 10.10.2026, 19:30 Uhr: Sinfonie Nr. 4 Es-Dur, „Die Romantische“ (4. Fassung 1888), Bernadetta Šuňavská (Bratislava)

Eintritt frei, Spenden erbeten.

Weitere Spielorte:

  • St.-Marien-Kirche (Bergheimer Platz 1, 14197 Berlin-Wilmersdorf)

  • Evangelische Auenkirche (Wilhelmsaue 119, 10715 Berlin-Wilmersdorf)

  • St.-Hedwigs-Kathedrale (Bebelplatz, 10117 Berlin)

Alle Informationen finden Sie unter bruckner-orgelfestival.de.

Alle Termine:

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